Die bevormundete Frau: Ehe im Mittelalter
Die Ehe war im Mittelalter eine recht pragmatische Angelegenheit. Man heiratete in aller Regel nicht aus persönlicher Zuneigung, sondern die Familien bestimmten über die Wahl des Partners. Dadurch wurden soziale oder wirtschaftliche Verbindungen zwischen zwei Sippen geknüpft. Die meisten mittelalterlichen Ehen könnte man also als "arrangiert" bezeichnen. Mittelalterliches Brautpaar, Gemälde um 1470. Wann konnte man heiraten? Meist bestand ein großer Altersunterschied zwischen den Verlobten: Junge Mädchen heirateten einen zehn oder fünfzehn Jahre älteren Mann. Folglich übernahm der Mann zugleich eine Art Vaterfigur, denn er brachte deutlich mehr Erfahrung und Reife in die Beziehung. Gemäß kanonischem Recht lag das heiratsfähige Alter für Mädchen bei 12, für Jungen bei 14 Jahren. Die Familien bemühten sich um eine frühe Verheiratung der Mädchen, um sie nicht länger unterhalten zu müssen. Sie wurden als Kostenfaktor angesehen und trugen nur un...